5. Heckel-Anwender- und Interessententreffen zur Hyperthermie in Frankfurt, Übersicht Bericht Dr. Bünz

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Bericht über das 5. Heckel – Anwender- und Interessententreffen zur Hyperthermie am Samstag, den 17.04.2010 in Frankfurt

Katharina Stang und ich haben von Seiten des TEB aus an dieser Tagung zum Thema Hyperthermie teilgenommen, um uns über den aktuellen Stand dieser Therapieform und einen möglichen Nutzen für die Betroffenen von TEB zu informieren. Da es sich um ein Anwendertreffen handelte, konnte man einen detaillierten Überblick über die mit dieser Therapieform gewonnenen Erfahrungen gewinnen.

Hyperthermie (HT) bedeutet Überwärmung des Körpers. Aus therapeutischen Gründen wird die Temperatur des Organismus gezielt erhöht. Man unterscheidet zunächst zwischen einer Ganzkörperhyperthermie, die sich auf den gesamten Organismus bezieht, und einer lokalen HT, die sich nur auf bestimmte Regionen richtet. Unterschieden wird weiter zwischen der aktiven und passiven HT. Während die aktive HT durch den Körper selbst erzeugt wird (z. B. fiebererzeugende Medikamente), erfolgt bei der passiven HT die Erwärmung durch spezielle Geräte. Je nach der angestrebten Zieltemperatur wird weiter unterschieden zwischen einer milden (< 38,5° C), einer moderaten (38,5 – 40,5° C) und der extremen HT (>40,5°C). Die extreme HT bedarf der intensivmedizinischen Überwachung und wird nur in wenigen Kliniken durchgeführt. Die Teilnehmer des Treffens bedienen sich der milden und moderaten HT.

Der Vormittag der Tagung konzentrierte sich auf die HT im nicht-onkologischen Bereich: Fibromyalgie, Weichteilrheumatismus, Arthrosen, Schmerztherapie, Atemwegserkrankungen, chronische Entzündungs-prozesse, Borrelien, chronische Infektionen, Hauterkrankungen und Allergien.

Zuerst trug Dr. Peters seine persönlichen Erfahrungen vor. Sein Ansatz beruht auf anthroposophischen Grundlagen und hat etwa 2001 begonnen. Ausgehend von der Überlegung eines „Wärmehungers“ konnte er auf Erfahrungen mit 85 Patienten zurückschauen. Im nicht-onkologischen Bereich hat er einen Anwendungsrhythmus von 1x wöchentlich, im onkologischen von 1x monatlich. Als problematisch sah er die neurologische Komponente an. In der Zusammenschau seiner Erfahrungen äußerte er sich vorsichtig optimistisch über die Ergebnisse.

Eine sehr viel skeptischere Haltung zu den Erfolgen einer HT nahm Dr. Bünz ein, der die HT nur als einen Baustein innerhalb einer komplementärmedizinischen Behandlung bezeichnete. Erfolge sah er besonders bei chronischen Schmerzzuständen. Ansonsten verwies er auf die vielen Kontra-Indikationen (Epilepsie, COPD, Herzinsuffizienz, Thrombose, Lungenembolie u.s.w.) und das breite Feld von therapiebedingten Komplikationen. Entscheidend ist für ihn die „Lebenskraft“. Er bevorzugt die milde HT im Abstand von zwei Wochen.

Dagegen verwies Dr. Engesser auf seine positiven Erfahrungen bei psychiatrischen Patienten und ging anschließend detailliert auf die verschiedenen Komplikationen, Einsatz bei Fieber u.s.w. ein.

In dem anschließenden Runden Tisch wurde die Kombination HT mit einer Chemotherapie (vor, danach, zeitnah) besprochen, wobei die Anwender völlig unterschiedliche Methoden bevorzugten. Diskutiert wurde die Anwendung bei erniedrigter Leukozytenzahl, bei Fastenvorgängen u. a. Erstaunlich war, dass sich bei der Anwendung der HT bislang keinerlei Standardisierung herausbilden konnte, sondern offensichtlich jeder Therapeut ein ganz bestimmtes Procedere bevorzugt. Bei einigen Anwendern bestand überhaupt keine Systematik, vielmehr richtete sich der Therapie-Rhythmus nur nach der Erscheinungshäufigkeit der Patienten und deren Vorstellungen. Diskutiert wurden weiterhin die Nebenwirkungen einer HT, die je nach Patient völlig unterschiedlich auftreten, sowie die diversen Wechselwirkungen mit Medikamenten und anderen Therapien.

Der Nachmittag der Veranstaltung widmete sich der Anwendung der HT im onkologischen Bereich, wobei allerdings zwei Referenten wegen der Einschränkung im Flugverkehr ausfielen, so dass nur Dr. Kleef von seinen Erfahrungen berichten konnte.

Dr. Kleef aus Wien verwendet die HT in Kombination mit Dendritischer Zelltherapie und Chemotherapie bei verschiedenen Krebserkrankungen. Er konnte bei verschiedenen Tumorerkrankungen über recht positive Ergebnisse berichten, wobei aber offen blieb, ob diese Erfolge der HT, der Kombination von Therapien oder einer einzelnen Therapieform zuzuschreiben sind. Ausführlich beschrieb er die Aktivitätskontrolle von Tumoren durch das PET. Ausgehend von einer Krebsentstehung auf der Grundlage chronischer Entzündungen schilderte er die vielfältigen physiologischen Vorgänge bei Krebsentstehung und Therapieverlauf. Eine Vakzinierung (Impfung) empfahl er für den Fiebergipfel. Als Prophylaxe und auch als therapiebegleitend sinnvoll betonte er das „ bunte Essen „.

Der anschließende Runde Tisch und die Teilnehmerbefragung erbrachten ein insgesamt positives Bild bezüglich der Anwendung der HT im nicht-onkologischen Bereich. Im onkologischen Bereich überwog jedoch die Skepsis, die besonders von Dr. Bünz erläutert wurde. Zwar konnten auch hier einige Teilnehmer von guten Ergebnissen berichten, diese bezogen sich jedoch vorwiegend auf Tumorerkrankungen mit einer generell besseren Prognose. Erörtert wurden weiterhin die immunologische Wirkung einer HT, die Organdurchblutung während einer HT, die Kombination HT mit Fasten und Chemotherapie, Beobachtung des CRP-Wertes u. a.

Zuletzt beschäftigte sich die Teilnehmerrunde mit den Abrechnungsmöglichkeiten der HT. Während eine solche Abrechnung bei stationärer Aufnahme, die allerdings nur 2-3 Wochen umfassen kann, unproblematisch ist, bestehen erhebliche Probleme bei der Abrechnung für gesetzlich Versicherte im ambulanten Bereich, der ja den Hauptteil der Behandlung darstellt. Bei den Privatversicherten ist eine Abrechnung meistens möglich, soweit der Vertrag eine Verweisung auf das Hufeland-Verzeichnis vorsieht. Die gesetzlichen Krankenkassen lehnen eine Kostenübernahme regelmäßig ab. Hier bemerkte Frau Stang kritisch an, dass monatliche Kosten von 300-400 EUR für eine HT-Behandlung für viele Betroffene eine untragbare Belastung darstellen.

Als Ergebnis der Tagung kann man festhalten, dass die HT durchaus einen Baustein in der komplementärmedizinischen Therapie insbesondere im nicht-onkologischen Bereich darstellt. Recht skeptisch muss man dagegen die Anwendung im onkologischen Bereich sehen. Zwar sind auch hier Erfolge bei verschiedenen Tumorerkrankungen vorzeigbar (Brustkrebs, Prostatakrebs, Hautkrebs u.s.w.). Bei den prognostisch aber schlechten Krebserkrankungen, insbesondere beim Pankreaskarzinom, scheinen durchschlagende Erfolge aber bisher auszubleiben. Man wird die weitere Entwicklung dieser Therapieform kritisch beobachtend verfolgen müssen.

Joachim Horcher

 
 

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