Gruppentreffen Regionalgruppe Elbe-Weser am 1.8.2019

ElbeWeser3.JPGAm 01. August 2019 war es wieder soweit, - die Gruppe Elbe Weser kam zu ihrem regelmäßig stattfindenden Gruppentreffen in Stade zusammen. Wie immer wurde ich von vielen Gruppenmitgliedern bereits erwartet und wieder sehr herzlich aufgenommen. Ja, man ist froh und dankbar, dass ich den weiten Weg von Stuttgart nach Stade auf mich nehme und die Gruppe leite.

Wie in vielen anderen Gruppen stand auch hier das Thema Bauchspeicheldrüsenkrebs im Vordergrund. Ein Thema, das leider immer wieder behandelt werden muss. Oftmals werden Betroffene und ihre Angehörigen mit der Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs überfordert, sie stehen plötzlich da und wissen nicht mehr weiter. Angst, Sorgen machen sich bei ihnen breit und sie suchen Antworten auf ihre Fragen. Meist fühlen sie sich alleine und hilflos. Die Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs verändert alles und stellt das gesamte Leben in Frage. Diese Angst, Hilflosigkeit der Betroffenen und Angehörigen hat Herr Professor Stinner gespürt und erkannt. Intensiv hat er nach Lösungen gesucht, dabei kam ihm der Gedanke, eine Selbsthilfegruppe in seiner Klinik einzurichten. Ihm war klar, dass Betroffene und Angehörige eine Anlaufstelle benötigen, in der sie sich untereinander austauschen können.

Weder Internet, ein Buch und oftmals auch keine Klinik können ein adäquater Ersatz sein für das gesprochene Wort, eine zugewandte Geste, das Gefühl des Angenommen-Seins oder eine Umarmung. Leider ist es den Ärzten aus Zeitgründen meist nicht möglich, einen persönlichen Kontakt zu ihren Patienten herzustellen und sich intensiv um sie zu kümmern, und Betroffene brauchen einfach einen „Kümmerer“!

Umso wichtiger ist Selbsthilfe, - sie kann Lücken schließen und zwischen Arzt und Betroffenen vermitteln.

Bevor die Gruppe offiziell startete, teilte ich den Anwesenden mit, dass ich heute mehr Zeit hatte, weil ich auf keinen Zug und Flieger musste. Mein Mann und ich waren mit dem Auto unterwegs, da wir mehrere wichtige Termine zusammengelegt hatten. Man spürte, dass sich die Teilnehmer darüber freuten, schnell erkannte ich, dass die Gruppe heute länger gehen würde.

Bereits bei der Begrüßung einzelner Teilnehmer nahm ich wahr, dass sie sehr bedrückt waren. Ich versuchte herauszufinden, warum das so ist und fragte: „Was liegt heute Besonderes an? Womit kann ich helfen?“ Sofort meldete sich jemand aus der Runde und meinte: „Ich habe fürchterliche Angst.“

„Ja, so geht es auch mir“, sagte ein anderer. In diesem Augenblick hatte ich das Gefühl, er wollte ihr sagen, dass ihm auch so geht und er dankbar ist, dass sie es angesprochen hat. Ich hörte und sah die Not der Fragenden. Kurz hielt ich inne, denn jetzt spürte ich, dass es heute um psychologische Themen ging. Aus Erfahrung weiß ich, dass diese Themen in ärztliche Hände gehören, denn sie haben es gelernt und sind die Fachleute. Da ich aber seit 20 Jahren verschiedene Gruppentreffen in den verschiedensten Bundesländern abhalte, weiß ich, wie man mit solchen Fragen umgehen muss, ohne dass ich mir anmaße, in den Kompetenzbereich eines Arztes einzugreifen. Ich weiß auch, dass das Thema Angst bei allen Betroffenen und auch Angehörigen vorhanden ist. Jeder, der eine schlimme Diagnose bekommt, hat unweigerlich Angst und muss lernen, damit umzugehen.

Vorsichtig und behutsam fragte ich: „Wovor haben Sie Angst? Was macht Ihnen Angst und wie begegnen Sie der Angst?“

Die Antwort kam sofort und schnell: „Vor jeder Nachsorgeuntersuchung, CT oder MRT und vor allem, was kommen könnte. Ich kann nicht mehr schlafen, stehe nachts auf und backe Kuchen oder putze meine Wohnung.“ Alle im Raum hörten zu und so mancher sagte: „Mir geht es genauso, auch ich habe fürchterliche Angst.“

Ganz vorsichtig versuchte ich, das Wort Angst zu erklären: „Angst kann auch was Gutes haben, sie schützt uns oftmals auch vor mancher Gefahr oder führt uns dazu, Dinge zu beachten oder zu klären. Angst ist erst einmal etwas Natürliches.“ Ich versuchte auch zu klären, dass es kaum gelingen kann, vor der Angst davonzulaufen, sie holt einen immer ein. Stattdessen ist es sinnvoller, sich professionellen Beistand einzuholen und sich helfen zulassen. „Ach, Frau Stang, ich finde keinen Psychologen, diese haben Wartezeiten bis zu einem Jahr.“

Dann erzählte ich von meiner Angst und wie ich es geschafft habe, damit einigermaßen fertig zu werden: „Ja, ich nehme meine Angst heute anders wahr und versuche, mich ihr zu stellen.“

ElbeWeser1.JPGIch gab wirklich alles, und ich hatte auch den Eindruck, dass ich mit meiner Art der Erklärung beruhigen konnte. Jedenfalls wurde es mir so von der Gruppe bestätigt, indem man sagte: „Warum kannst Du uns so manches erklären und bildlich darstellen und andere nicht? Ich werde nach Wegen suchen, um mit meiner Angst umzugehen und suche mir einen Psychologen, vielleicht habe ich Glück.“

Ja, warum kann ich oftmals helfen?

Meine Antwort war klar: „Weil ich kein Profi bin und weil ich selber die gleiche Angst habe wie Ihr und auch einmal in Euren Schuhen stand. Ich habe versucht herauszufinden, wie ich mit der Angst, ohne dass ich sie ständig bekämpfe, leben kann. Ich habe meine große Angst mit der ehrenamtlichen Tätigkeit in der Selbsthilfe verloren. Ich habe gelernt, über meine Angst sprechen und Wege zu finden, damit umzugehen. Genau aus diesem Grund kann ich es Euch vermitteln.“

Wir machten eine kurze Pause, um wieder neue Kräfte zu sammeln.

In diesem Moment klopfte es an der Tür, und es kam Herr Dr. Hönemann herein. Er stellte sich und seine Funktion in der Elbe-Klinik vor. Sofort hatten wir das Gefühl, das ist ein sehr guter und menschlicher Arzt, - er machte einen sehr sympathischen Eindruck.

Es regnete Fragen über Fragen an Herrn Dr. Hönemann. Sichtlich begeistert sagte er: „Wenn ich gewusst hätte, welche präzisen Fragen hier gestellt werden, hätte ich Anschauungsmaterial mitgebracht, um Ihnen alles besser und genauer zu erklären. Ich verspreche, ich werde es beim nächsten Mal dabeihaben.“

Er erklärte uns jede chirurgische Frage. Dann wandte ich mich an ihn mit der Frage: „Wissen Sie eigentlich, dass Betroffene unendlich Angst haben nach der Operation? Dass jede Nachkontrolle sie nicht schlafen lässt?“

Erstaunt sah er mich an und antwortete: „Ja, das wissen wir. Aber wir haben oftmals nicht die Zeit, darauf einzugehen. Damit sind wir nicht zufrieden, aber es ist leider oftmals so.“

ElbeWeser1.JPGDann kam Herr Professor Stinner auch noch zu uns. Mit so viel fachlicher Unterstützung hatten wir nicht gerechnet, aber wir genossen die beiden Ärzte in vollen Zügen. Es tat so gut, mit ihnen zu reden und ihre Meinung zu hören. Wir alle spürten, auch die beiden Ärzte müssen mit vielen schweren Situationen im Leben umgehen und fertig werden und auch sie kennen die Angst.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie fachlich, offen und menschlich mit uns in der Gruppe diskutiert wird. Wir haben das Gefühl, wir sind auf der gleichen Ebene und dürfen ohne jegliche Beklemmung unsere Fragen stellen. Es gibt keine falschen oder dummen Fragen, nein, jede Frage wird ernst genommen und erklärt.

Wir sind dankbar und glücklich, dass wir in der Elbe-Klinik so gut aufgenommen und anerkannt und wertgeschätzt werden. Dafür sage ich und im Namen der Gruppe herzlichen Dank.

Zufrieden und mit einem positiven Feedback nach Ablauf der Zeit und dem Satz einer Betroffenen: „Katharina, danke, dass Du den weiten Weg auf Dich nimmst und zu uns kommst, wir brauchen Dich“, schloss ich die Gruppe.

Mit Freude nahm ich diese wohltuenden Worte auf und bedankte mich ganz herzlich bei den beiden Ärzten. Nicht nur ihr fachliches Wissen, besonders auch ihre Menschlichkeit hat die Gruppe bereichert und allen Teilnehmern sehr viel gegeben.

Ich freue mich schon auf das nächste Mal in Stade!

 

Katharina Stang

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