Im Notfall

Liebe Leserin, lieber Leser,
der Ihnen vorliegende Bericht stellt eine Zusammenfassung meines Vortrags im Rahmen des TEB-Online-Gruppentreffens vom 20. August 2020 mit dem Titel „Wie funktioniert der Rettungsdienst? - Im Notfall keine Angst vor der 112!“ dar. Wenn Sie keine Gelegenheit hatten, am Online-Treffen teilzunehmen, oder am Online-Treffen teilgenommen haben und noch einmal Inhalte nachlesen möchten, finden Sie an dieser Stelle die wichtigsten Informationen.
Sie kennen das bestimmt: Wenn etwas passiert, seien es Zahnschmerzen, ein Unfall oder die Grippe, die einen erwischt, dann (fast) immer nachts oder am Wochenende, also genau dann, wenn der Hausarzt geschlossen hat.
Dabei ist der Hausarzt, neben dem Sie behandelnden Facharzt, oft der erste Ansprechpartner in allen Fragen rund um Ihre Gesund- und Krankheit. Wo finden Sie also - zum Beispiel dann, wenn Haus- oder Facharzt nicht erreichbar sind - fachkundige und schnelle Hilfe? Die gute Nachricht gleich vorab: Sie haben mehrere Ansprechpartner, und diese sind auch rund um die Uhr zu erreichen!

Der Kassenärztliche Bereitschaftsdienst - die Vertretung Ihres Hausarztes außerhalb der Sprechzeiten
Zunächst einmal steht Ihnen der kassenärztliche Vertretungsdienst zur Verfügung. Den nächstgelegenen Vertretungsdienst erreichen Sie außerhalb der Sprechzeiten Ihres Hausarztes, also zum Beispiel Mittwochnachmittags, nachts und am Wochenende unter der bundesweit einheitlichen Telefonnummer 116 117. Hier stehen Ihnen fachkundige Bereitschaftsärzte zur Verfügung, die Sie beispielsweise telefonisch beraten, zu denen Sie in die Bereitschaftsdienstzentrale fahren können oder die bei Bedarf auch einmal Hausbesuche machen. Vom kassenärztlichen Bereitschaftsdienst erhalten Sie beispielsweise auch ein Rezept für akut benötigte Medikamente, beispielsweise im Rahmen eines fieberhaften Infekts oder Ähnlichem.
Unter der Telefonnummer 116 117 erfahren Sie aber beispielsweise auch, welche Apotheke in Ihrer Nähe Notdienst hat oder wie Sie den regional unterschiedlich geregelten zahnärztlichen Bereitschaftsdienst er-  reichen können. Genauere Informationen mit den regionalen Öffnungszeiten und Andressen der Bereitschaftspraxen finden Sie unter  www.116117.de.

Der Rettungsdienst - Ihr Ansprechpartner in akuten oder lebensbedrohlichen Notfällen
Unter der europaweit einheitlichen Notrufnummer 112 erreichen Sie den Rettungsdienst. Dieser ist rund um die Uhr an allen Tagen Ihr Ansprechpartner in lebensbedrohlichen und akuten Notfällen. Verspüren Sie beispielsweise Schmerzen in der Brust, haben Sie Luftnot, Lähmungserscheinungen oder versagen Atmung, Kreislauf oder das Bewusstsein oder hatten Sie einen Unfall, ist sofortige Hilfe unabdingbar.
In diesen Fällen wird Ihre regionale Rettungsleitstelle das nächstgelegene geeignete Rettungsmittel - in der Regel einen mit Notfallsanitätern besetzen Rettungswagen, unter spe- ziellen Umständen ergänzt um ein sogenanntes Notarzteinsatzfahrzeug mit einem Notarzt - zu Ihnen entsenden. Im Vordergrund der rettungsdienstlichen Versorgung steht die Hilfe bei akuter Lebensgefahr und die Abwehr von weiteren gesundheitlichen Schäden. Eine umfassende Versorgung kann aber in den meisten Fällen nur im Krankenhaus erfolgen, sodass häufig ein unmittelbarer Transport dorthin erforderlich ist.

Ihr ambulantes Palliativteam
Befinden Sie sich in ambulanter palliativmedizinischer Versorgung, zum Beispiel durch ein SAPV-Team, wird Ihnen dieses in der Regel eine Notfallnummer mitgeteilt haben. Wählen Sie diese in den mit dem Team vereinbarten Fällen, gegebenenfalls in Verbindung mit einer der anderen Nummern. Teilen Sie - so es auf Sie zutrifft - sowohl dem ärztlichen Bereitschaftsdienst als auch dem Rettungsdienst mit, wenn Sie durch ein ambulantes Palliativteam versorgt werden. In manchen Fällen kann durch entsprechende Abstimmung zwischen den Beteiligten eine Krankenhauseinweisung vermieden werden.

Notfalldose.jpgWelche Unterlagen benötige ich?
Als chronisch kranker Patient sollten Sie stets eine Kopie der relevanten Befunde, des letzten Krankenhausentlassungsbriefes sowie des aktuellen Medikationsplans zu Hause aufbewahren. Auch wenn diese Unterlagen an Ihren Hausarzt weitergeleitet werden sollen - im Notfall müssen sowohl die Vertretungsärzte des kassenärztlichen Bereitschaftsdienstes als auch die Kollegen des Rettungsdienstes einen Blick in diese Unterlagen werfen können. Nur so können sie sich ein umfassendes Bild von Ihrem Gesundheitszustand machen.
Daneben sollten Sie Ihre Versichertenkarte ebenso wie eine vorgepackte Tasche mit den wichtigsten Uten- silien für mindestens eine Nacht im Krankenhaus vorbereitet und griffbereit haben. Die Tasche sollte daneben auch eine aktuelle Fassung Ihrer Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht beinhalten.
Wichtig zu wissen: Im Akut- bzw. Notfall kostet weder die Nutzung des hausärztlichen Ver-   tretungsdienstes noch die des Rettungsdienstes Geld. Einen geringen Eigenanteil wird Ihre Krankenkasse ggf. zu einem späteren Zeitpunkt von Ihnen fordern.

Das klingt alles furchtbar kompliziert - Kann ich nicht einfach so in ein Krankenhaus fahren?
Direkt in ein Krankenhaus zu fahren, ist nur in wenigen Situa- tionen sinnvoll. Eine davon könnte sein, wenn Sie über eine Vorab-Notfall-Einweisung von Ihrem Haus- oder Facharzt verfügen und der darauf geschilderte Fall eintritt. In diesem Fall hat Ihr Haus- oder Facharzt aber auch schon vorab das entsprechende Krankenhaus für Sie festgelegt.
Die Gefahr, die besteht, wenn Sie sich auf eigene Faust in ein Krankenhaus begeben ist die, dass dort entweder kein Platz für Sie ist oder ggf. benötigte Fachabteilungen oder Geräte nicht vorgehalten werden. Um Irrtümer zu vermeiden, sollten Sie stets den Weg über den Haus- bzw. Facharzt, den hausärztlichen Vertretungsdienst oder den Rettungsdienst wählen.

Momentan hört man viel über COVID - Sollte man dann überhaupt fremde Hilfe in Anspruch nehmen?
Das Wichtigste vorweg: Akut- und Notfälle werden durch Abwarten nicht besser. Zu langes Warten, beispielsweise bei einem Schlaganfall oder Herzinfarkt, hat schon vielen Menschen unnötiges Leid zugefügt. Rufen Sie im Notfall auf jeden Fall Hilfe - Wenn eine Krankenhausbehandlung notwendig ist, dann duldet sie im Notfall auch keinen Aufschub!

Das Wichtigste zum Schluss
Haben Sie keine Angst, im Notfall keine Hilfe zu bekommen. Zum Glück leben wir in einem Land, in dem medizinische Hilfe - seien es die Haus- und Fachärzte, der kassenärztliche Vertretungsdienst oder der   Rettungsdienst - rund um die Uhr an allen Tagen des Jahres für jedermann verfügbar sind. Auch während Sie diesen Artikel lesen, sitzen irgendwo Kollegen in Bereitschaft, um Ihnen und Ihren Lieben in der Not zur Seite zu stehen.

Passen Sie auf sich auf!

Patrick_Ristau.jpgHerzlich
Ihr Patrick Ristau
Pflege- und Gesundheitswissenschaftler, Notfallsanitäter

Stralsunder Straße 13
23558 Lübeck
kontaktzMxH7gT8iPxQs9vTwQmVxZy5rTfXpatrick-ristau.de
www.patrick-ristau.de
 
 

Suche

mitmachaktion.jpg


Gründungsmitglied

web.jpg



Kooperationspartner

DDH-M_Logo.jpg

Deutsche Diabetes-Hilfe
Menschen mit
Diabetes e. V. (DDH-M)
10117 Berlin

skypen.png
SKYPEN Sie mit uns

Mehr Infos ...


Übersicht

Zertifizierte
Pankreaskarzinom-
Zentren

(nach DKG zertifiziert)
-------------------
Zertifizierte
Onkologische Zentren

(nach DKG zertifiziert)


Die Selbsthilfe
TEB e. V. wird durch Förderungen der Krankenkassen unterstützt.


Spenden auch Sie, damit wir unsere Arbeit fortführen können

Spendenformular