Meistens kommt es anders als man denkt

Als ich die Nachricht erhielt, dass der Gruppenleiter der Regionalgruppe Unterfranken schwer erkrankt ist, stellte sich für TEB e. V. und insbesondere für mich die Frage: Wie geht es weiter? Lasse ich die Gruppe wegen Krankheit ausfallen oder springe ich ersatzweise ein und vertrete den dortigen Gruppenleiter? Mir war bewusst, dass eine lange Anreise, viel Arbeit und zusätzlicher Zeitaufwand auf mich zukommen werden und dass ich total fremden Menschen gegenüberstehen werde. Es half alles nichts, ich musste für mich und die Gruppe eine Entscheidung treffen.

Nach langer reichlicher Überlegung traf ich die Entscheidung, die Gruppe nicht einfach ihrem Schicksal zu überlassen. Sofort begann ich, die ersten Schritte einzuleiten. Ich suchte einen Fahrer, der mich nach Würzburg fährt, da ich aus gesundheitlichen Gründen nicht Auto fahren kann und die Zugverbindung wegen Umbauarbeiten sehr schlecht ist.

Am 08.06.2018 war es soweit, Herr Sch. und ich fuhren gemeinsam nach Würzburg. Dabei wollten wir die Gelegenheit wahrnehmen und Herrn H. in der Uniklinik besuchen. Leider trafen wir ihn nicht an, da er bei einer Untersuchung war.

Herr Sch. und ich gingen zur Rezeption, von dort sollten wir abgeholte werden. Da wir niemanden von der Gruppe kannten, waren wir unsicher, ob sie uns erkennen würden, tatsächlich hatte man mich erkannt durch ein Bild auf der TEB Homepage. Es folgte eine kurze Begrüßung. Da noch Zeit war, bevor die Gruppe begann, setzten wir uns mit den anwesenden Gruppenmitgliedern in der Cafeteria zusammen und besprachen im Vorfeld einiges, was für mich wichtig war, um mir ein Bild zu machen. Bereits hier merkte ich, dass diese Gruppe heute sehr schwierig werden würde. Ich fühlte und spürte ganz viel Skepsis, Angst, Unsicherheit und auch eine gewisse Ablehnung bei den Anwesenden. Man wollte nicht, dass ein anderer ihre Gruppe leitet und vor allem wollte man keinerlei Veränderungen. In jedem Satz wurde mir unmissverständlich gesagt, Herr H. hat die Gruppe immer sehr, sehr gut geleitet und wir alle waren von seinem enormen Wissen beeindruckt und überzeugt. Ich hatte das Gefühl, mir traute niemand zu, dass ich diese Gruppenleitung heute übernehmen kann.

Da ich seit 19 Jahren verschiedene Gruppen leite und immer wieder mit unterschiedlichsten Situationen konfrontiert werde, wusste ich, dass ich hier besonders behutsam vorgehen muss. Ob es gelingt?????

Gemeinsam gingen wir in den Gruppenraum, wo jeder seinen Platz in gewohnter Weise (hintereinander) einnehmen wollte, so dass sie den Blick auf die Leinwand richten konnten. „Ich halte keinen Vortrag, ich will einen Austausch, deshalb brauchen wir keine Leinwand, Sie können sich anders setzen“, warf ich ein. „So sitzen wir immer, so sind wir es gewohnt“, kam sofort zurück. Diese Sitzordnung war für mich unerträglich, ich bin der Meinung, so kann kein Austausch untereinander stattfinden. Kurzerhand bat ich, die Tische und Stühle in eine U-Form zu stellen, in der Mitte sollte mein Platz sein. Mir war es wichtig, dass wir uns alle ins Gesicht sehen können. Mit dieser ersten Veränderung war man offensichtlich nicht einverstanden und mir wurde dies auch sehr deutlich signalisiert. „Unser Gruppenleiter macht das anders!“ Eine Dame meinte: „Uns ist es egal, wie wir sitzen.“ Unbeirrt ließ ich die Reihenbestuhlung in eine U-Form ändern. Dabei sagte ich: „Bitte geben Sie mir die Chance, dass es trotzdem eine gute und konstruktive Gruppe wird.“ Teilweise widerwillig wurde der kleine Umbau getätigt und ich konnte mit der offiziellen Begrüßung starten.

Um heraus zu finden, wer in der Gruppe mit welcher Erkrankung und welcher Erwartung heute kam, stellte ich drei Fragen:

  1. Wie heißen Sie?
  2. Woran sind Sie erkrankt?
  3. Was erwarten Sie von der heutigen Gruppe?

Spätestens hier merkte ich, dass diese Gruppe anders ist, als die von mir sonst geführten Gruppen. Es war am Anfang nicht ganz leicht, es gab einige Hürden zu überwinden, doch am Ende konnten wir alle von dem heutigen Gruppentreffen profitieren.

Neue Besen kehren anders! Ob es schlechter ist oder besser, das kann man erst später feststellen. Für mich war es wichtig, dass ich die Teilnehmer mit meiner Art von Leitung erreichen kann. Der Mensch steht bei mir im Mittelpunkt und nicht der Vortrag über ein bestimmtes Thema.

So gegen Ende der Gruppe legte sich auch die anfängliche Abneigung, ja, die Betroffenen öffneten sich und es kam ein intensiver Austausch zustande.

Nach den Höhen und Tiefen an diesem Nachmittag bat ich um eine Rückmeldung, um zu sehen, wo stehe ich? Kann ich es wagen, weiter zu machen, oder muss ich sagen, ich komme nicht wieder?

Völlig überrascht war ich über die Rückmeldungen. Übereinstimmend bekam ich Lob und Anerkennung. Meine offene, fachliche und menschliche Leitung wurde als sehr angenehm empfunden. Selbst die Sitzordnung empfanden fast alle als besser. Wie sagte eine Interessierte: „Endlich konnten wir uns in der Gruppe in die Augen sehen und einen richtigen Austausch untereinander führen.“

Der Tenor von allen war, dass ich die Gruppe völlig anders leite als Herr H., er hielt sehr viele Vorträge und gab Lesematerial mit nach Hause, doch ganz ehrlich, wer hat das anschließend gelesen?

„Ja, Du leitest die Gruppe total anders, aber gut. Bitte komme wieder!“

Ich bedankte mich sehr herzlich für das große Lob, das ganz anders ausfiel, als ich dachte.

Anschließend besuchten wir Herrn H. Aufgrund seiner schweren Erkrankung sprachen wir über das, was für ihn möglich war.

Traurig fuhren wir nach Hause.

Katharina Stang

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