Patientenverfügung

patientenverfuegung.jpgAus unserer Erfahrung wissen wir, dass nicht jeder eine Patientenverfügung hat. Oft wird mir in den Beratungen gesagt: „Ich bin noch so jung. Ich fühle mich nicht in der Lage, meine Wünsche zu Papier zu bringen. Ach, die Verfügung hat noch Zeit, bis es soweit ist.“
Aus diesem Grund war es mir ein Anliegen und auch der besondere Wunsch unserer Mitarbeiter, die gesetzlichen Bestimmungen zu den verschiedenen Vollmachten einmal in unserem TEB-Magazin aufzugreifen und Ihnen damit weitere wichtige Informationen an die Hand zu geben.
Damit jeder volljährige Mensch am Ende seines Lebens selbst entscheiden kann, wie er medizinisch behandelt werden möchte, benötigt er eine Patientenverfügung oder auch ein so genanntes Patiententestament. Sie bestimmen heute bei vollem Bewusstsein, wie sie später in gesundheitlichen Ernstfällen wie das Endstadium einer schweren Krankheit, fortgeschrittene Demenz oder das sogenannte Wachkoma medizinisch behandelt werden wollen.


Rechtzeitig Gedanken machen

In jedem Krankenhaus gehört die Frage über die Vorstellung der medizinischen Behandlung des Patienten zum Alltag. Wenn sie selbst nicht mehr bestimmen können, müssen es andere für sie tun. Mit der Patientenverfügung ersparen Sie ihren Angehörigen, in einer emotionalen Situation eine Entscheidung treffen zu müssen. Auch die Ärzte wissen durch die klaren Anweisungen, was sie tun und lassen sollen.

Diese Verfügung gilt aber nur dann, wenn sie in so einem Ernstfall ihren Willen nicht mehr äußern können. Leider wird heute oft durch die fortschrittliche Medizintechnik der unabänderliche Sterbeprozess künstlich verlängert, obwohl es keine Hoffnung auf ein natürliches Weiterleben mehr gibt. Deshalb ist es wichtig, sich rechtzeitig Gedanken über die gewünschte Behandlung zu machen.
Bevor man eine Patientenverfügung erstellt, sollte man sich einige wichtige Fragen selber beantworten:
  • Wer soll für mich entscheiden?
  • Benenne ich einen Bevollmächtigten oder soll ein gesetzlicher Betreuer bestimmt werden? Er sollte auf jeden Fall fachlich und persönlich in der Lage sein, meine Wünsche gegenüber den Ärzten zu vertreten. Wenn ein Betreuer vom Gericht bestellt werden muss, dauert es einige Zeit, bis der Betreuer ernannt ist.
  • Nehme ich eine oder mehrere Vertrauenspersonen als Bevollmächtigte?
  • Wie möchte ich behandelt werden, wenn sich mein Leben dem Ende zu neigt?
  •  Was dürfen Ärzte in welcher Situation tun, wenn ich an einer Erkrankung leide und mein Leben nur noch durch Geräte erhalten wird?   
  • In welchen medizinischen Notfällen will ich zum Beispiel auf eine künstliche Ernährung oder Beatmung verzichten?       
  • Was dürfen Ärzte während einer Operation tun, wenn dessen Ausgang ungewiss ist?
Damit die Patientenverfügung anerkannt wird, muss sie schriftlich vorliegen. Sie muss aber nicht beurkundet oder beglaubigt werden.

Die Verfügung sollte folgende Details enthalten:
  • Vor- und Familienname,
  • Geburtsdatum und Anschrift,
  • eine genaue Beschreibung der Situation, in der die Patientenverfügung gelten soll,
  • genaue Angaben zu lebenserhaltenden Maßnahmen, Schmerz- und Symptombehandlung oder auch künstlicher Ernährung,
  • Wünsche zu Sterbeort und -begleitung, wie z. B. das Sterben in vertrauter Umgebung oder in einem Hospiz,
  • ein Hinweis auf eine mögliche Organspende,
  •  Datum und Unterschrift.
Wenn schon eine lebensbedrohliche Krankheit vorliegt, ist es gut, wenn die Verfügung mit dem behandelnden Arzt abgesprochen wird und damit die Behandlung auf den möglichen Krankheitsverlauf abgestimmt werden kann.
Die Verfügung sollte zu Ihren Vorstellungen passen. Sie kann jederzeit widerrufen oder geändert werden. Dies kann erforderlich sein, wenn sich die gesundheitliche Situation stark verändert hat oder auch in Zeiten von Pandemien wie jetzt in der Coronakrise. Sie kann auch noch geändert werden, wenn man am Lebensende die Wünsche ändert. Dazu muss man aber im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte sein.
Damit die Patientenverfügung im Notfall gefunden wird, kann man sie kostenpflichtig in das Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer eintragen lassen. Auf jeden Fall muss sie dem Bevollmächtigten ausgehändigt werden.
Auch wäre es gut, immer einen Hinweis auf die Verfügung bei sich zu haben, damit die Sanitäter und Ärzte im Notfall schnell Kenntnis über die vorhandene Verfügung erhalten und den Bevoll
mächtigten kontaktieren können. Wichtig zu wissen ist, dass der Bevollmächtigte nur in Ihrem Sinne handeln kann, wenn er im Besitz des Originals ist!  Es wäre auch von Vorteil, wenn man die Patientenverfügung und eine Betreuungsvollmacht gleichzeitig ausstellt.
Der behandelnde Arzt und der Bevollmächtigte müssen sich an die Patientenverfügung halten. Der Bevollmächtigte spricht immer für den Patienten. Sollte sich der Bevollmächtigte nicht mit dem Arzt über die Anwendung der Patientenver- fügung einig sein, kann ein Betreuungsgericht eingeschaltet werden.
Sollten Sie schon in einem Pflegeheim betreut werden, sind auch diese Betreuer an die Patientenverfügung gebunden.

Der behandelnde Arzt und der Bevollmächtigte müssen sich an die Patientenverfügung halten.

Viele Patientenverfügungen sind juristisch leider nicht korrekt formuliert und dadurch ungültig. Um dieses zu vermeiden, gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Es gibt verschiedene Informationsbroschüren, die helfen, einen persönlichen Willen zu Ihren Fragen über Leben und Tod zu entwickeln. Da die Patientenverfügung Fragen zur medizinischen Behandlung regelt, können Sie sich von ihrem Arzt beraten lassen. Auch manche Hospize sind behilflich bei der Erstellung einer Patientenverfügung.
Außerdem gibt es im Internet sorgfältig erarbeitete Textbausteine, die man dann individuell zusammenstellen kann. Eine weitere Möglichkeit ist eine Beratung bei der Erstellung einer Patientenverfügung durch einen Anwalt.

Mechthild Maiß/Katharina Stang


Hinweis: Da sich das Recht um die Patientenverfügung aber noch in der Entwicklung befindet, ist es ratsam, die Verfügung in regelmäßigen Abständen zu kontrollieren, ob sie rechtlich noch gültig ist oder ob Ihre Meinung sich geändert hat. Bei Bedarf kann sie dann geändert oder durch ihre Unterschrift bestätigt werden.