Selbsthilfe in Zeiten von Corona

Seit Mitte März stelle ich mir die Frage: Gibt es eigentlich - neben Corona - die Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, insbesondere Krebs, noch? Seit der Gründung von TEB e. V. Selbsthilfe haben wir - und damit meine ich unser gesamtes Team - es noch nie erlebt, dass die täglichen Anfragen und Beratungen um 50 % eingebrochen sind. Vor Corona hatten wir tagtäglich Beratungen zu den verschiedensten Themen, wie zum Beispiel Diagnose, Operationen, Ernährung, Gewichtsverlust, Enzyme, Chemotherapie, Schmerzen, Erschöpfung, Bildgebung, Nachsorge, Reha, Schwerbehinderung und Berentung durchgeführt.


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Unser gesamtes Leben wurde auf den Kopf gestellt
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Dann kam das Corona-Virus. Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, insbesondere Krebs, waren in der Wahrnehmung wie weggeblasen und es kamen fast ausschließlich nur noch Anfragen zur Ernährung, ausreichender Enzymdosierung und richtiger Einnahme. Plötzlich waren Erkrankungen an der Bauchspeicheldrüse oder auch Schlaganfall und Herzinfarkt nicht mehr vorhanden.
Meine Mitarbeiter und ich konnten uns nicht erklären, was plötzlich los war. Warum hatten wir von jetzt auf nachher weniger Anfragen zu den Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, obwohl wir vor der Corona-Pandemie einen vermehrten Anstieg der Erkrankungen feststellen konnten? Corona führte dazu, dass man von Bauchspeicheldrüsenerkrankungen, insbesondere Krebs, nichts mehr hörte. War er plötzlich geheilt? Oder gab es ihn plötzlich nicht mehr?
Auf der ganzen Welt, in unseren Nachrichten und in den Medien gab es nur noch ein zentrales Thema: das Corona-Virus. Jeden Tag wurde man mit Bildern, Zahlen, Statistiken, Meinungen und Studien konfrontiert. Das verursachte unheimliche Angst. Uns Menschen wurde immer wieder vor Augen geführt, dass wir es mit einem ernsthaften Virus zu tun haben. Es stellt unser gesamtes Leben, das Gesundheitssystem und unsere vermeintlich geglaubte Sicherheit mit einem Schlag auf den Kopf und verbreitet Angst und Schrecken.
Politisch, wirtschaftlich und persönlich war plötzlich alles infrage gestellt. Angst, Unsicherheit und Einschränkungen stellten uns vor nie dagewesene Herausforderungen und zeigten unmissverständlich die Defizite und Fehlentscheidungen im Gesundheitswesen und der Politik der letzten Jahre. Es mangelte plötzlich an wichtigen und für uns selbstverständlichen Dingen, wie zum Beispiel Klopapier und Mehl, aber auch Schutzmasken. Ärzte und Pflegepersonal kamen an ihre Grenzen und mussten geschützt werden. Neue Helden wie zum Beispiel Verkäufer und Kassierer wurden geboren.
Dazu kamen die fortschreitenden Einschränkungen in den sozialen und gesellschaftlichen Bereichen und die vom Gesetzgeber verordneten Maßnahmen, die unsere persönliche Freiheit in vielen Bereichen einschränkten. Doch die meisten Bürger wissen zum Glück, dass diese Maßnahmen sinnvoll, notwendig und richtig sind und passten ihr Leben an. Bisher haben uns die Maßnahmen gut durch die Krise geleitet und uns vor sehr hohen Krankheits- und Todeszahlen, wie sie in anderen Ländern vorkamen, bewahrt.


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Leider mussten sich aber auch die Ärzte in den Kliniken dem Virus unterordnen und planbare Operationen, Behandlungen und Therapien zurückstellen, um bei Bedarf freie Intensivkapazitäten nutzen zu können. Dass dabei andere Behandlungen und Therapien in den Hintergrund gestellt wurden, ist der Preis. Diese Vorgehensweise deckt sich mit den Aussagen von Betroffenen, die mir berichteten: „Meine OP wurde verschoben, meine Chemo wurde nicht durchgeführt. Ich hatte das Gefühl, man hat mich vergessen.“
Aber auch die Betroffenen gingen nicht ins Krankenhaus oder zu ihrem Hausarzt oder Onkologen. „Ich will keine Infizierung mit Corona!“ war ihr Argument. Ärzte aus den verschiedensten Kliniken und Notfallsanitäter berichteten mir, dass die Notauf- nahmen wie leergefegt waren, Operationen kaum durchgeführt wurden und Chemotherapien und MRT- Untersuchungen verschoben wurden. Betroffene blieben aus Unsicherheit zu Hause. Ihre Angst, Unsicherheit und Ungewissheit werden meiner Meinung nach auch noch eine Weile bleiben, auch wenn sich die Krankenhäuser wieder in Richtung Normalität bewegen.
Bei allem Verständnis für Corona, das ist keine gute Entwicklung! Diese außergewöhnliche Situation macht mir Angst. Wir wissen doch alle, dass gerade beim Bauchspeicheldrüsenkrebs die Zeit eine wichtige und oftmals entscheidende Rolle spielt. Hier ist es notwendig, dass man schnell handelt, um den Tumor, noch bevor er sich vergrößert oder gar metastasiert, herauszunehmen. Nur dann haben wir die Hoffnung auf Heilung!

Ich habe große Befürchtung, dass wir in einem halben Jahr vor den Auswirkungen dieser heutigen Situation stehen und es bei einigen Betroffenen für eine lebensrettende Operation bereits zu spät ist. So hatte ich vor ein paar Tagen eine Beratung, in der ich erleben musste, dass trotz starker Schmerzen im Oberbauch, die in den Rücken ausstrahlten, diese Schmerzen nicht ernst genommen wurden. So wurde auf eigene Faust mit Schmerzmitteln versucht, diese zu bekämpfen. Als ich nach der Gewichtsabnahme fragte, wurde beiläufig erwähnt: „Ca. 10 kg in den letzten zwei Wochen.“
„Warum lassen Sie diese akuten  Symptome nicht abklären?“, fragte ich. „Ich habe Angst vor Corona,“ war die Antwort. Gott sei Dank konnte ich die Person überzeugen und veranlassen, dass sich ein erfahrener Pankreasspezialist dieser Betroffenen  annahm. Es wurde mir rückgemeldet, dass man sich gut um die Betroffene gekümmert hat und sie innerhalb der nächsten Tage operiert wird.

Mit Einbruch der Dämmerung kommt die Angst vor der Nacht!

Beratungen haben sich auf Grund von Corona zeitlich sehr verschoben. Immer öfter kamen die Anrufe in den Abendstunden, wenn alle anderen Beratungsstellen geschlossen hatten. Genau hier liegt auch der Unterschied zwischen unserer Organisation und anderen Beratungsstellen. Betroffene und ihre Angehörigen wissen, dass fachliche Beratungen überwiegend von mir ehrenamtlich durchgeführt werden und ich mich oftmals nicht an die Geschäftszeiten halte. Vermehrt waren Angst, Einsamkeit, Trauer und Isolation Gegenstand der abendlichen Beratungen. Besonders  ältere Menschen leiden unter diesen besonderen Zeiten von Corona. Zu ihren körperlichen Schmerzen kamen jetzt auch noch psychische Schmerzen und die Einsamkeit hinzu!
Nun werden die strengen Regelungen des Shutdowns gelockert. Es zeigen sich die ersten Ergebnisse: Es kommen wieder vermehrt Anfragen aus dem gesamten Bundesgebiet, die sich um die gesamte Thematik von Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse drehen.
Ich möchte mit der Bitte schließen: Gehen Sie bei Beschwerden oder Schmerzen rechtzeitig zu Ihrem Hausarzt! Er wird Sie bei Bedarf und Notwendigkeit an die Fachärzte oder ins Krankenhaus weiterüberweisen. Warten Sie nicht, bis es vielleicht   irgendwann zu spät ist.

Alles Gute wünscht Ihnen
Ihre Katharina Stang
 
 

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